Montag, 23. Mai 2016

Vom rechten Weg abgekommen

Der rechte Weg wäre zielbewusstes Stricken oder Nähen. Tja, für mich bedeutet ein Hobby zu haben, etwas auszuprobieren. Und das Ziel nur so grob anzuvisieren.

Letztes Wochenende habe ich also Fasern gefärbt. Die Ergebnisse sehen leider nach ungeplanter Panscherei aus:

Fasern von Frau Wolle

Die braun-grünen Fasern sind aus drei Päckchen Simplicol Blau und einem Päckchen Dylon Grün entstanden. Ich hatte mich nach dieser Anleitung gerichtet, sorgfältig die Stränge ausgelegt und die benötigte Menge an Farblösung ausgerechnet, mit 100ml-Blasenspritzen die Stränge förmlich mit Farbe geimpft und diese Katastrophe kam dabei heraus.





Das hat mich nur herausgefordert, es am nächsten Abend nochmal zu versuchen. Diesmal habe ich die mit Essigwasser vollgesogenen Stränge in einer Schnecke in die Form gelegt, drei verschiedene Rottöne aus dem Vorrat angerührt und hingebungsvoll an drei Stellen in die Form laufen lassen. Entstanden ist dieses fast völlig gleichförmige Pink.

Ich glaube, ich habe die zu lange im Ofen gelassen. Evtl auch mit zuwenig Wasser: Oben rechts sieht es schon fast angebrannt aus.


Angestoßen wurde das Experiment durch den Kurs von Chantimanou in zwei Wochen: Farben spinnen. Ich überlege, mich anzumelden, habe aber kein passendes Material. Und was liegt näher, als es selbst herzustellen? Für den Kurs Spinne dein Garn habe ich jetzt jedenfalls Material genug zum rumspielen!

Gleichzeitig wollte ich ausprobieren, ob ich mit den Simplicol-Farben die Schafwoll-Pflanzenfasern-Mischungen färben kann, die ich vor ein paar Wochen in England bestellt habe. Diese Farben sind nämlich für alle Fasern bis auf reine Synthetiks geeignet.
Und diese Überlegung war richtig; Die mitgefärbten Pröbchen haben die Farbe wunderbar satt angenommen:
Superwash + Flachs

Mittwoch, 18. Mai 2016

Abschied von den Blümchenröcken

Beim Umräumen des Kleiderschranks gerade habe ich gemerkt, dass ich keine Lust mehr auf Blümchenröcke habe. Jahrelang habe ich sie genäht, meist weißgrundig. Aus Libertys Stoff oder einfacheren Stoffen. Nun scheinen sie nicht mehr zu mir zu passen.
Zum heutigen MMM wird aber der lebendigste -weil nicht weißgrundig wie die anderen- noch einmal getragen:

Hmm, das sieht doch aus wie eine Schürze

Weiterhin bin ich stolz auf den selbst erstellten, vermaßten Schnitt und die gute Verarbeitung - alle Röcke sind mit Batist gefüttert.

Und was jetzt? Toughe Karos? Demnächst ist holländischer Stoffmarkt, da werde ich nach unblumigen Dessins Ausschau halten.
Im Stofflager ist jedenfalls noch der der gleiche Stoff mit türkisem Hintergrund und eine größere Menge eines Paisley-Druckes, aus dem ein längerer Wickelrock geplant ist. In den USA ist der Überschlag bei Wickelröcken übrigens hinten - sehr viel praktischer beim Fahrradfahren :-).

Knalliges Schnäppchen aus Lima


Für einen lebhaften Wickelrock

Sonntag, 15. Mai 2016

Gesettled und fleißig

Der Rausch hat sich gelegt und ich werkle stetig an den beiden Merino Cotton-Jacken - bei den Röcken ist allerdings noch nicht viel passiert. Ich hänge vor der Entscheidung fest, ob ich die Seide vorher wasche oder nicht. Dafür spricht, dass Seide durch das erste Waschen ordentlich eingeht, dagegen, dass sie krumpelig wird, sich vielleicht verzieht und nicht mehr so leicht zuzuschneiden sein wird.

Noch ein Foto, weil ich so begeistert bin

Heute habe ich den Kleiderschrank umgeräumt und die Winter- gegen die Sommerkleidung ausgetauscht. Und dabei die Gelegenheit genutzt, den Janker -ein Werk des letzten Winters- für Ravelry zu fotografieren. Und die Geburtstagsjacke des Lieben Mannes.


Aus Haku-Alpaca aus Lima. Nach einer Anleitung von Wolle Rödel
In der Anleitung werden die Hüfte-auf-Taille-Abnahmen und die Taille-auf-Oberweite-Zunahmen innerhalb des Leibes gemacht. Ich glaube nicht, dass das einer echten Trachtenjacke entspricht und habe beim Vorderteil die Zu- und Abnahmen an der Seitennaht ausgeführt und beim Rückenteil nach Anleitung. Sie sitzt ziemlich auf Figur.
Von weitem sehen die Knöpfe ein wenig wie Trachtenknöpfe aus, aber sie sind römischen Münzen nachempfunden. Ein geheimer Hinweis auf mein Interesse an Archäologie und Geschichte.
Hier habe ich zum ersten Mal Knöpfe mitgestrickt. 
Die Tasche ist auch gefakt - etwas Auftragendes kann ich an der Hüfte nicht brauchen :-).
Die Ärmel sind angestrickt, nicht nach dem Schema von Barbara Walker sondern genau nach Anleitung.
Das Alpaka-Garn ist so warm, dass ich die Jacke kaum anhatte.


Hier nochmal die Geburtstagsjacke in ganzer Pracht - nach dem Waschen ist das Garn "aufgeblüht", wie es ein Tweedgarn sollte und ist nun flauschig und warm.
Die Knöpfe imitieren Leder; damit sind sie waschbar.
Mein Mann findet sie super. Ich bin besonders stolz, dass keine Fehler oder falsch gedrehten Verzopfungen dran sind. Sie ist so richtig mit Liebe und Sorgfalt gestrickt!

Donnerstag, 5. Mai 2016

Weiter im Rausch des Planens: Jäckchen für Seidenröcke

Letztes Jahr musste der Liebe Mann beruflich nach China und ich bat ihn, mir ein Seidenstöffchen mitzubringen. Im Kopf hatte ich mit Blumen bestickte Stoffe in Juwelenfarben für einen Rock in A-Linie.
Bekommen habe ich dann je zwei Meter unifarbene Seide in Flaggenfarben: Tomatenrot, Elektrischblau und Goldgelb. Der rote wurde zu einem kleinen Roten nach Maßschnitt von Passt zugeschnitten, aber bei Blau und Gelb war ich erstmal ratlos.












 Bis ich in der Brigitte 10/2016 (eine Seite weiter im Heft) diesen Rock sah: 




Den passenden Schnitt aus dem Lager gibt es auch, Butterick 3088:




Ich möchte auch so cleanes Oberteil wie auf der Abbildung der Röcke, natürlich selbst gestrickt:
1. Entwurf; Bild vom Strickrechner (fully-fashioned.net)


Letztendlich wird es nach viel Überlegen doch ein Raglan von oben mit angestrickten Blenden.
Bei Lanade war/ist wieder die jährliche Rabattaktion und ich habe von meinem Lieblingsgarn Cotton Merino je 350g in Senfgelb und Marine bestellt. Das Elektrischblau geht nämlich doch nicht und wird noch in Marine umgefärbt.



 Aber das Gelb passt super, in natura besser als auf dem Foto:



Passend eingefärbte Perlmutterknöpfe hatte ich auch im Vorrat und nachdem ich schon weiß, wie Knöpfe mit Steg mitgestrickt werden, habe ich es diesmal mit diesen Knöpfen probiert und:
Es klappt tatsächlich!!!! Bin total begeistert - nie wieder das Annähen hinterher!






Montag, 2. Mai 2016

Kevlar-Jacke revisited

Nachdem die Geburtstagsjacke des Lieben Mannes endlich fertig ist, hat mich der Rausch des Anfangens völlig im Griff.
Die einseitige Belastung des Strickens mit dickem Garn verlangte nach Abwechslung für die Hände, also habe ich das naturfarbene Cotton Merino für die letztes Jahr angefangene und wieder aufgeribbelte Chanel-Jacke wieder vorgeholt. Und verschiedene strukturierte Häkelmuster ausprobiert. Am besten gefällt mir aber weiterhin das ganz einfache abwechselnd 1 feste Masche, eine Luftmasche und in der folgenden Reihe 1 feste Masche in das Loch der Luftmasche und über die feste Masche eine Luftmasche. Mit dünner Nadel gibt das ein zu festes Gewebe, eben eine fast schussfeste Jacke:


Oben nochmal die MaPro vom letzten Jahr. Der untere Rand kräuselt sich, weil sich die Anfangskettmaschenreihe stark zusammenzieht. Der Trick ist, soviel Kettmaschen anzuschlagen, wie feste Maschen gewünscht sind und die Luftmaschen zu ignorieren. Was ich damals noch nicht wusste.

Diesmal habe ich mit dickeren Nadeln rumprobiert und mit einer Fünfer-Nadel wird es ein immer noch strukturiertes, aber deutlich lockereres Gewirk. Falls mir das Material nach dem Leib knapp wird, werde ich die Ärmel in einem ähnlichen Stich anstricken, das verbraucht weniger Garn.
 Ausgerechnet habe ich die Anleitung mal wieder nach dem genialen Strickrechner von fully-fashioned.net, den ich euch wärmstens ans Herz lege.

Ausdruck des Programms


Samstag, 30. April 2016

Der Charme des Unschönen

Das Garn -mein erstes selbst gefärbtes und gesponnenes- gefiel mir nämlich nicht, viel zu herbstlich, ich bin aber "ein Sommer-Typ". Aber ich wollte schon immer einen einfachen Garter Stitch Wrap als Ergänzung zu meiner Mittelalter-Ausstattung haben und dazu passt er perfekt.
Dazu kommt, dass es mindless knitting ist und trotzdem spannend, wie sich das Gestrick entwickelt. Und wenn die Wolle zu Ende geht, ist das Umlegetuch fertig!


Natürlich musste ich auch eine Änderung vornehmen: Die ausgefransten Ränder gefielen mir nicht und so habe ich die letzte Masche jeweils als nette kleine Randmasche rechts abgestrickt und die erste der neuen Reihe stets links. Sieht viel ordentlicher aus!

Dienstag, 26. April 2016

Technisches: Strick-Jacke endlich (fast) fertig. Nähjacke angefangen

Dem Lieben Mann war der Rollkragen nicht hoch genug, so dass ich die vorderen Blenden komplett wieder aufgeribbelt habe (und die waren italienisch abgekettet, d.h. mit einer dicken Sticknadel mußte jeder Stich einzeln zweimal vorsichtig aufgezogen werden....) und noch einen Zentimeter dran gestrickt habe. Auch der Rollkragen war natürlich italienisch abgekettet.
Inzwischen denke ich, der Fehler lag nicht am Rollkragen, sondern an der elastischen Halskante -ist ja von oben gestrickt- die vom Halsansatz auf die Schultern rutscht und damit den Rollkragen runterzieht und auch die Ärmel verlängert. Die sind nämlich sorgfältig ausgemessen, wirkten aber bei der Anprobe zu lang. Leider kein Hinweis auf dieses Problem in meinen Strickbüchern.
Werde die Ärmel nicht kürzen sondern die Halskante mit einer Kettmaschenreihe fixieren, die Jacke waschen und dann anprobieren lassen.

Ansonsten habe ich eine genähte Jacke, wie ich sie schon seit fast 30 (in Worten: dreißig) Jahren haben will zugeschnitten. Ist aus einem locker gewebten Dekostoff und solche Jacken wurden auf den Dorfmärkten der französischen Atlantikküste westlich von Bordeaux verkauft. Damals konnte ich mir keine leisten, aber vor einigen Jahren traf ich auf den passenden Stoff:

Wie heißt dieser Stoff doch gleich?
 

Die Jacke von Modell 3, aber etwas länger. Ist ein richtiges Chanel-Jäckchen mit Wiener Nähten und zweiteiligen Ärmeln


Habe den obigen Schnitt aus einer Für Sie-Beilage von 1992 kopiert und mich beim Zuschneiden nicht gerade mit Ruhm bekleckert: Die seitlichen Teile habe ich nur als Rückenteile zugeschnitten und musste das Vorderteil dann irgendwie noch herausbekommen. Leider habe ich auch erst nach dem Zuschneiden gemerkt, dass es viel schlauer gewesen wäre, den Fadenlauf quer zu nehmen - dann schmiegt sich die Jacke besser an die Körperrundungen an, als sich steif gegen sie zu wehren.




Zu spät für Reue und schließlich habe ich noch ein anderes Dessin aus dem gleichen Material, da werde ich alles perfekt machen. Und nichts mehr neu kopieren. Ich wusste gleich wieder, wie doof ich das finde.

Ja, ich hätte auch einfach ausschneiden können