Dienstag, 7. Oktober 2014

Verstrickte Dienstagsfrage 40/2014 - Selbstbewusstsein

Interessante Frage hat das Wollschaf auf's Tapet gebracht:
Wieder einmal beschwört ein abwertender Artikel über handarbeitende Frauen einen Shitstorm in Netz herauf.
Was denkst Du?
Warum fühlen sich so viele Frauen sofort angegriffen und gehen in den Verteidigungsmodus, sobald jemand abwertend über Handarbeiten schreibt?

Mangelt es der handarbeitenden Frauenwelt vielleicht einfach nur an dem Selbstbewusstsein, über solches Geschreibsel mit einem milden Lächeln hinwegzusehen?


Ja, es mangelt vielen Frauen an Selbstbewusstsein. Und zwar in unterschiedlichsten Zusammenhängen und leider auch heutzutage weiterhin. Weil männliche Kinder mehr bestätigt wurden und werden als weibliche. (Beispiele im Bekanntenkreis.)

Ich denke, ein schönes Zuhause mit selbstgemachter Kleidung/Deko/Nahrung kann ein warmes Nest sein, in dem sich auch eine Frau toll fühlen kann, die nicht Gehirnchirurgin geworden ist. Und wenn ihr schöner Nestbau niedergemacht wird, regt sie sich auf. (Keine Beispiele im Bekanntenkreis. Ich kenne nur einige -meist amerikanische- Blogs, die diese Theorie unterstützen.)

Ich meine, wir Strickerinnen sollten realistisch einschätzen können, welche Tätigkeiten hoch geschätzt und bezahlt werden und welche einfach Hobby sind. Wer da wirklich nicht differenzieren kann, sollte zu einer Coachin gehen. Vielleicht schlummern in ihr mehr Fähigkeiten und mehr Ehrgeiz, als durch Handarbeiten befriedigt werden kann.

Für mich finde ich einiges in dem Artikel richtig und wahr und sehe ihn als Aufruf, über Relevanteres zu bloggen als über Strickjacken. Andrerseits: Für das Relevante gibt es Journalistinnen; die können über schwierige Themen besser recherchieren und schreiben als ich. Und werden noch dafür bezahlt. Ich bin Heilpraktikerin. Als Beruf versuche ich, Menschen zu heilen, ohne in ihrem Hirn zu schnippeln, und in meiner Freizeit mache ich Handarbeiten.

Dienstag, 30. September 2014

Verstrickte Dienstagsfrage 39/2014 - Strickunlust

Tichiro und das Wollschaf fragen heute:
Hattest Du schon mal eine Phase akuter Strickunlust?
Wenn ja, was hast Du dagegen unternommen?
Oder hast Du einfach abgewartet, bis die Phase vorüber war?
Wie lange hat die Phase angedauert?
Was hast Du in dieser Zeit stattdessen gemacht?
Gibt es Gründe, woran es gelegen haben könnte?
Vielen Dank an Tichiro für die heutige Frage.

Ich habe immer mal wieder für ein paar Tage diese Phasen. Meist dann, wenn ein Projekt nicht gut läuft und ich nicht weiß, ob und wie ich weitermachen soll.
Mein geheimer Trick -jetzt nicht mehr- für diesen Zustand ist, dass ich als Rechthänderin mit der linken Hand etwas arbeite. Gerne zum Beispiel male ich dann ein Mandala mit Buntstiften aus. Erst ein Ornament mit der rechten Hand, dann eins mit der Linken, immer abwechselnd. Das regt mein Hirn so an, dass ich förmlich spüren kann, wie sich die Synapsen neu verknüpfen. Und kurz danach präsentiert sich mir eine gute Lösung.
Im Moment male ich aber eine Abbildung eines Malbuches von Tom Tierney aus. Macht mir extra Spaß, denn ich interessiere mich auch für Kostümgeschichte.

Zur Zeit läuft entsprechend beim Stricken auch alles gut, ich bin in den Endzügen meiner Makerist-Kimonojacke und sehr zufrieden. Genial, wie schnell das geht! Und das Garn fühlt sich einfach super an, denn es hat so eine glatte und seidige Oberfläche.

Färbt weiter gut ab:







Reklamieren will ich nicht, das Garn ist trotzdem super. Wäre auch schwierig, ich habe es bei einem Projekt in Peru gekauft.


Donnerstag, 25. September 2014

Der kleine Bruder von "Noch ein Projekt anfangen" ist "Dazwischen schieben"

Eigentlich habe ich vier Taschen zu nähen und eine Jacke für den Schwager, wobei ich bei der allerdings auf eine Rückmeldung von ihm warte. Aber zum Einschlafen blättere ich gerne in Handarbeitsheften oder -katalogen und vorgestern fiel mir der schöne Schmetterlings-Gobelin im Buttinette-Katalog auf und ich erinnerte mich, dass ich noch tollen Gobelin vom Holländischen Stoffmarkt 2012 habe. Das hat mir den Anschub gegeben, mal eben zwei Kissenbezüge zu nähen.

Auf ähnliche Weise sind ja im August die drei Mützen entstanden: Eigentlich bin ich fest entschlossen, das aktuelle Projekt die Projekte fertig zu stellen, aber schwupps, treibt mich die Lust vom Kurs ab.
Gestern abend habe ich -trotz meiner Behauptungen von vorgestern- so an den Händen gefroren, dass ich Armstulpen aus einem einzelnen Knäuel angeschlagen habe. Eine gute Gelegenheit, eins der vielen im Musterbuch angemarkerten Muster auszuprobieren. Weitere Einzel-Knäuel sind jetzt für weitere Stulpen vorgemerkt.
Strichmuster. Später wird die Naht fast geschlossen, nur der Daumen darf rausgucken
Das offizielle Hauptprojekt, die Kimono-Jacke von Makerist, ist jedoch nicht vergessen. Habe festgestellt, dass der Schalkragen doch noch nicht lang genug ist und stricke konsequent abends beim Videogucken. Hier ein Ärmel. Zwischen 40 und 44 Maschen pro Reihe - einfach super!


Nicht so super: Nach dem Stricken sind meine Hände stets so blau gefärbt, dass ich befürchte, dass schon beim ersten Waschen alles ausblutet. Also habe ich Stofffarbe gekauft, um gleich nach dem Stricken drüber zu färben. Der Schalkragen ist allerdings weiß und ich werde die Jacke wohl nach dem Zusammennähen nicht mehr selbst waschen können sondern in die Reinigung geben müssen, damit das Blau nicht in das Weiß ausblutet. Doof!

Dienstag, 23. September 2014

Verstrickte Dienstagsfrage 38/2014 - Herbstprojekte

Heute ist Herbstanfang, die Tage werden kürzer und kälter und wer nicht sowieso schon ganzjährig die Nadeln schwingt, bekommt jetzt richtig Lust auf's Stricken.
Was sind Deine Herbst-Strickpläne, welche Projekte stehen in den nächsten Wochen und Monaten auf Deiner todo-Liste?
Oder lässt Du Dich einfach treiben und strickst, was Dir gerade über den Weg läuft?
Wie gut, dass das Wollschaf wieder gesund ist, hatte mir schon Sorgen gemacht.
Naja, ich plane außer warmen Socken und evtl. Armstulpen keine echten Herbst-/Winterprojekte.
Seit ich vor einigen Jahren das richtige homöopathische Mittel genommen habe, friere ich kaum mehr. Zwar habe ich auch dicke Wolle im Vorrat, aber eigentlich würde ich die als Souvenirkauf einstufen.
Drinnen läuft auch die Heizung und draußen habe ich eine angemessen warme Jacke an.
Hinzu kommt, dass der Winter letztes Mal in Freiburg ausfiel. Von meinen Stiefeln hatte ich kein Paar an.
Was soll ich mir da diesen Winter Stress machen?
Also stricke ich an den eh geplanten Projekten weiter. Allerdings auch Projekte aus dicker Wolle, in denen mir vermutlich ziemlich warm sein wird.

Montag, 22. September 2014

Des Wahnsinns fette Beute

Von Freitag bis gestern war auf der Baden Messe die "Inspiration", eine kleine Sonderausstellung für Selbermacher und Selbstgemachtes. Mit Verkauf natürlich. Und einigen Workshops.
Ich war mit einer Freundin da und wir haben es gerade so geschafft, noch halbwegs fit beim Ziel Inspiration anzukommen, ohne vorher zuviel anderes anzuschauen und völlig ausgelutscht zu werden.
Die Inspiration konnte unter klein aber fein abgelegt werden. Es gab wenige Stände, aber mit ausgewählt schönen Sachen.
Zum Beispiel war die Schwarzwälder Spinnstube mit mehreren Spinnrädern und selbst produzierten Garnen vertreten.
War schön, Roswitha mal wieder zu sehen und ich hoffe, ich schaffe es diesen Winter mal zu einem Spinntreffen in ihrem schönen Haus



Danach war ich noch kurz in der Innenstadt und habe Zubehör für die geplanten vier Taschen besorgt. Nachdem der Liebe Mann mehrmals angemerkt hat, das ich immer nur mit großen, sportlichen Messenger-Bags rumlaufe, habe ich mich nämlich von der Loretta-Tasche bei Farbenmix verführen lassen.
Da ich die Anleitung beim Stoffkauf nicht parat hatte, habe ich zuwenig Stoff gekauft und den Schnitt nur mit 90% ausgedruckt. Ist aber immer noch genug Tasche.

Links die vier Stoffe (von Kessler-Stoffe in Lörrach), in der Mitte die Vlieseline und die Futterstoffe, rechts die Gurtbänder

Alles noch harmlos, der Wahnsinn kommt jetzt:
Am Wochenende habe ich beim unbedarften Recherchieren mitbekommen, dass meine Lieblingswolle Filosoft von Wolle Rödel in deren Internetshop nur noch € 1,99 kostet und nur in drei Farben erhältlich ist. Vermutlich kein nettes Sonderangebot sondern der Abverkauf, weil das Garn nicht weiter geführt wird.
Heute morgen bin ich sofort in die Freiburger Filiale und habe mir alles zeigen lassen, was noch da ist. Und habe Garn in Rosa, Braun, Schwarz und gemischt für vier Jacken gekauft....

Daraus wird die Less is More-Jacke von Amy King

Das ist Schwarz. Oder Braun.
Aus dem braunen Garn wird vielleicht eine Jacke für den Lieben Mann.
Ich weiß schon, dass es das gleiche Garn bei Fischer Wolle gibt und bei Lanade. Aber nachher beziehen die alle vom gleichen Produzenten und dieser stellt die Produktion ein. Nicht auszudenken!
Ein wenig habe ich ein schlechtes Gewissen, denn ich habe ja bereits einen großen Vorrat. Aber bei einem Preis von ca 25 Euro pro Jacke? Und das im idealen Garn? Eigentlich doch noch ganz gesund.

Samstag, 20. September 2014

Kurze Updates

Ich war ein paar Tage in Hamburg und Berlin und saß ansonsten lieber im Garten als vor dem PC, deshalb heute nur kurz:

Auf dem Bahnhof in Hamburg habe ich diese nette Person gesehen und gleich angequatscht.
Sie meinte, sie könne leider nicht mehr Wandern, aber noch Stricken. Im Moment arbeitet sie an einem klassischen Troyer in Sockenwolle für ihren Enkel - in Größe XL. Ich finde, das ist wahre Liebe!


Ich selbst hatte kleines Gepäck und deshalb nur die aktuellen Socken zum Stricken dabei.

Bei der Jacke für den Schwager habe ich bei www.sewingpatterns.com zwei vom Modell her passende Schnittmuster gekauft. Ich finde diese Website ja genial, frau bekommt tatsächlich noch für wenig Geld Neue Mode-Schnitte und andere Raritäten. Zum Runterladen, Selbst-Ausdrucken und Selbst-Zusammenkleben allerdings.

Das ist eine ziemliche Arbeit und nichts für Kleinmütige. Die einzelnen Blätter sind aus dem Altpapierstapel des Lieben Mannes; inzwischen bin ich schon in der Schicht des Jahres 2007 angelangt.
Leider ist selbst die Größe 46 viel zu groß, und dabei ist der Schwager zwar schlank, aber nicht klein. Ich hätte gedacht, die kleinste Größe käme hin. Aber in den Achtzigern, aus denen der Schnitt stammt, saßen die Sachen halt superweit... Der zweite Schnitt ist auch aus dieser Zeit und ich denke, deshalb steht mir auch noch mehr Arbeit durch Verkleinern bevor.


Freitag, 5. September 2014

Aus dem Urlaub zurück

Ich bin schon seit einigen Tagen wieder im Lande, aber nadelmäßig ist noch nicht soviel passiert. Den Häkelpulli habe ich allerdings fertig gestellt und muss ihn nun über den Winter wegpacken.

Im Original kürzer, aber das gefällt mir nicht mehr

Ach ja, und im Urlaub habe ich regelmäßig gestrickt, auch am Strand. Die Französinnen brieten wie besinnungslos in der Sonne, was mich daran erinnerte, dass im Englischen das gleiche Wort für gerben und bräunen benutzt wird. Die wenigen deutschen Frauen lagen unterm Sonnenschirm und lasen aktuelle Bestseller, sehr sympathisch.

Ärmel der  bunten Jacke, gut zur Hälfte fertig
Dummerweise habe ich angefangen, den Makerist-Video-Kurs "Deine erste Strickjacke" zu gucken, den ich vor ein paar Monaten zum Vorbestellerpreis mit 50% Rabatt erstanden habe. Und noch dümmer habe ich festgestellt, dass ich genau die passende Alpakawolle für so eine geniale Kimono-Jacke in meinem Vorrat habe..... Gerade bin ich an der Maschenprobe.
Der Video  gefällt mir übrigens sehr gut, obwohl ich null zur Zielgruppe von jüngeren Strickanfängern gehöre. Frau Schweisgut spricht sortiert und sehr professionell ohne Ähs und Öhs und freundlich.

Das nächste Nähprojekt wird ein Blouson für meinen Schwager, als Gegengabe dafür, dass er meine Praxis-Webseite aufgesetzt hat und pflegt.
Er wünscht sich eine Kopie seiner alten Lieblingsjacke, die er mir schon vor Monaten geschickt hat.



Schon als ich diese Fotos sah, musste ich schlucken. Soviele Einzelheiten. Und ich nähe doch eher einfache Röcke in A-Linie! Naja, versprochen ist versprochen.
Die erste Idee war, die alte Jacke aufzutrennen und die Teile als Schnittmuster zu benutzen. Aber praktisch jede Naht ist durch eine Ziernaht abgesteppt, da sitze ich wochenlan dran. Also suche ich im Moment nach einem passenden Schnittmuster. Vogue-, Burda- und Butterick-Kataloge wurden schon abgehakt. Nachher suche ich online weiter.
Während des Urlaubs kam auch der vom Schwager ausgesuchte Stoff an. Leider bin ich mir nicht sicher, ob der das Richtige ist. Die alte Jacke ist ganz weich und der neue Stoff ist auch nach dem Waschen noch so steif, dass aus ihm wohl eher ein blusiger Blouson als eine lässige Jacke wird.

Der Stoff steht von selbst, da ist nichts drunter