Sonntag, 18. März 2012

Im Bus gestrickt: Zwei Reihen

Heute sind wir mit einem kleinen Bus von Arequipa zur Colca-Schlucht gefahren. Hier ist Ende des Sommers, d.h. die Flüsse sind voll Gletscherwasser und es ist noch kühl, regnerisch und bedeckt. Aber das satte Grün und die Kühle sind nach dem Staub und der feuchten Hitze von Lima eine Erholung. Bloß die Haut will wieder Lippenpflegestifte und eingecremt werden.

Lamas auf der Pampa; endlich habe ich mal verstanden, wie man Lamas und Alpakas unterscheidet

In Lima gibt es nur chice Zierblumen, nicht gemeines Wachstum wie hier

Letzer Stopp vor dem Colca-Canyon und eine weitere Möglichkeit, günstige und bunte Andenken zu erwerben

Einfaches Haus in Chivay; der Straßenname ist mit Kreide aufgemalt. Der Pfeil bedeutet: In beide Richtungen befahrbar

Grauer Himmel, viel Grün - wie in Dtld halt :-)
 Bei den vielen Stunden im Bus hätte frau eigentlich Fortschritte bei den Socken machen können, aber nichts da, habe nur zwei Reihen gestrickt. Ich glaube, mir passen die Stahlnadeln nicht, Bambus fühlt sich schöner an.



Warum ich mit Michell gestern nicht zufrieden war, ist mir jetzt klar geworden: Ich dachte, ich könnte dort ein super Schnäppchen machen und dem war nicht so.


Samstag, 17. März 2012

Michell-Haus in Arequipa

Michell ist einer der großen Alpaca-Produzenten Perus mit mehreren Marken. Das Hauptgeschäft ist wohl die Belieferung von Kleidungsproduzenten in Europa und den Vereinigten Staaten mit Garnen auf Konen. Die Firma hat aber auch eine Reihe von Läden für eigene Kleidermarken jeweils in den edlen Einkaufszentren Limas, stellt auch Strickgarne her und unterhält das Projekt Mirasol, das die Ausbildung der Kinder der Alpaca-Bauern unterstützt.

Schönes Haus im Kolonial-Stil
Dieses Projekt wird im Michell-Haus nicht präsentiert. In ihm ist ein Geschäft mit edler Alpaca-Mode und ein wenig Garn; z.B. 50g Alpaca Silk für 25 Soles, das sind im Moment ca 7,12 Euro.
Hinter dem Haus sind eine kleine Weide mit Tieren, eine Schauwerkstatt mit drei Arbeiterinnen, die Wolle sortieren und weben, ein Café mit Garten und eine Ausstellung von historischen Alpaca-Verarbeitungsmaschinen.

In den Schälchen im Vordergrund ist das, was von Hand aus den Vliesen sortiert wird: längere Haar, Pflanzenstückchen und Erde

Pflanzliche Farben und ihr Ergebnis

Gesponnene und gefärbte Wolle


Maschinenhalle
Wir waren die einzigen Besucher und eigentlich war es sehr interessant, aber vor Begeisterung übersprudeln kann ich doch nicht.
Ich habe tatsächlich kein Garn gekauft (mein Mann hat jedoch einen tollen Schal bekommen) und Fasern gab es leider nicht zu kaufen. Das Interessanteste, was ich gelernt habe ist, dass ich ungewaschene, unkardierte Wolle eklig finde, ich wollte die nicht anfassen. Wahrscheinlich werde ich nie jemand, der von der Locke spinnt. Ist doch auch eine Erkenntnis, oder?

Freitag, 16. März 2012

Nähfragezeichen Nr. 32 fragt nach (Knoten-)Kleidern

Meike von crafteln fragt heute
Warum ausgerechnet (Knoten-)kleider?
Beim MMM ist es nicht zu übersehen. Hobbyschneiderinnen lieben es, Kleider zu nähen. Warum eigentlich? Was ist dran am Kleid (im Allgemeinen) und (im Speziellen) am Knotenkleid?

Wenn ich die tollen Kleider sehe, die beim MMM erscheinen, will ich sofort auch eins nähen. Sie sehen so weiblich und sophisticated aus. Aber ich habe noch nie ein einteiliges Kleid genäht, höchstens Röcke mit passenden Oberteilen. Aus praktischen Gründen glaube ich, denn ein Kleid kann ich nur einmal anziehen, dann ist schon wieder waschen und bügeln angesagt. Meine Kaufkleider hängen oft monatelang ungetragen im Schrank. Für dieses Jahr habe ich mir jedoch vorgenommen, von den einfachen Röcken zum chicen Kleid fortzuschreiten.

Wir haben heute unser Haus in Lima dem Vermieter übergeben und sind nach Arequipa, die Wollhauptstadt Perus geflogen. Morgen besuchen wir das kleine Museum der Firma Michell. Ich will keine Wolle kaufen, aber falls es Fasern zum Spinnen gibt, werde ich zuschlagen!

Das Frühlingsjäckchen ist nicht dabei, der kleine Koffer war schon voll. Aber das Sockenstrickzeug musste mit; eine guter Entschluss, denn hier ist es zwar tagsüber sonnig und warm, aber nachts eisig kalt und ich bin bei einem Paar Toe-up-Socken schon am Schaft. Ich stricke beide parallel, damit sie gleichzeitig fertig werden :-).

Donnerstag, 15. März 2012

Nähen lassen, 2. Teil

Am besten von meinen Aufträgen ist die Hose geworden, die mir Senora Ofelia aus einer gut abgelagerten Baumwollmischung geschneidert hat. Kein Zufall, weil sie tatsächlich den Original-Schnitt Butterick 5391D benutzt hat und dass sie auf Hosen spezialisiert ist. (Bild folgt).


Mein Fazit ist: Es war zwar günstig, aber auch nervig, immer wieder zu Anproben durch diese anstrengende Stadt zu fahren. Der Frustfaktor ist hoch, denn die eigenen Vorstellungen lassen sich manchmal nicht 1:1 vermitteln. Ausserdem muss man sich auf Verzögerungen einstellen:  Wenn man nicht immer wieder Druck macht, machen den andere Kundinnen - und deren Aufträge werden vorgezogen. Bei der Clinica des Modas ist immer noch das T-Shirt unfertig. Die Mutter der Schneiderin, die für meinen Auftrag zuständig ist, ist erkrankt und ihre Tochter muss sie pflegen. Also kommt sie nur unregelmäßig zur Arbeit. Ausserdem ist eine der Maschinen kaputt. Klar, dass mein Auftrag nicht fertig wird.

Nachtrag: Das T-Shirt ist viiiel zu groß geworden und sieht entsetzlich aus. Es ist in Deutschland ohne Umwege in die Altkleidersammlung gewandert.

Dienstag, 13. März 2012

Die verstrickte Dienstagsfrage 11/2012: Nadelvorräte

Das Wollschaf fragt: Kauft ihr Nadeln im Set, habt ihr Nadeln doppelt und welches sind eure Lieblingsnadeln?
Da kann ich nur mit dem blöden "Aber Hallo!" antworten. Klar habe ich Nadeln doppelt, dreifach, vierfach. Und ich nehme an, dabei bin ich die Regel. Die Nadelspiele sind schon verpackt, aber hier ist ein Bild meiner Nadeltasche:


 Die Einschübe sind leider nach dem amerikanischen System beschriftet, deshalb habe ich auf die Rückseite des Etiketts die deutsche Millimetergröße gekritzelt.
Dass die KnitPro-Nadeln nicht so geschätzt werden, erkennt man daran, dass sie in einer popeligen Plastiktüte beheimatet sind. Ich finde die dünnen Naden zu leicht zu brechen und alle Nadeln zu spitz. Ich feile sie stets mit Sandpapier erstmal stumpf.
Trotz dieser guten Auswahl muss ich übrigens öfter trotzdem Nadeln für ein neues Projekt kaufen...
Ach ja, und die besten Rundstricknadeln sind meiner Meinung nach die von Lana Grossa. Obwohl ich ein großer Wolle Rödel-Fan bin, kann ich die Rundstricknadeln deren Hausmarke nicht empfehlen; der Übergang von Seil zu Nadel ist nicht gut und die Maschen bleiben hängen.

Schon alles in Kisten

Heute kamen vier Mitarbeiter der Umzugsfirma und begannen, unser Hab und Gut zu verpacken. Die Nähmaschine steht zwar noch auf dem Schreibtisch, aber innerlich bin ich im Aufbruch und ich habe nicht mehr die innere Ruhe zum Nähen.


 Das Frühlings-Knit-Along-Jäckchen hat Fortschritte gemacht, aber ich bin unschlüssig, ob ich das Strickzeug tatsächlich in das Reisegepäck nehmen soll. 600 Gramm ist ganz schön schwer und die Tasche schon ganz schön voll. Und wer weiss, was für tolle Fasern und Wolle mir auf unserer Urlaubsreise in Arequipa noch begegnen und mit nach Deutschland wollen? In Peru etwas auf die Post zu geben,wäre auch eine Möglichkeit, ist aber unsicher, kompliziert und teuer. 


RVO; an den beiden Spitzen oben treffen sich V-Ausschnitt und Raglan-Armausschnitt; ich stricke abwechselnd mit 2 Knäuelen

Das Spinnrad von Ecotintes habe ich übrigens gesehen, musste es aber nicht haben, denn das Modell im Laden stand schon eine Weile, sah ein wenig schäbig aus und die Pedalbefestigung hatte sich gelöst. 
Hier im Blog werde ich in den kommenden Wochen mehr über den Urlaub im Hochland und vielleicht über Eindrücke aus Lima schreiben.

Samstag, 10. März 2012

Ecotintes - Wolle abgeholt, neue Wünsche geweckt

Gestern haben wir uns mit Daniella Calmet von Ecotintes zum Abholen meiner Wolle in ihrem Büro in Lima getroffen. Sie engagiert sich nicht nur im Rahmen von Ecotintes sondern auch zusammen mit anderen WissenschaftlerInnen -sie ist Biologin- gegen umweltschädigende Projekte. Wie z.B. den geplanten Bau eines riesigen Containerhafens an der Küste, der das gewachsene Fischerstädtchen in der Nähe der Firma zerstören würde.


Im Uhrzeigersinn von oben links: Dicke grau-pinke Wolle für Ruth, fuchsia Wolle für Katia, türkises Alpaca für mich und die schönste Farbe: indigo Alpaca für meinen Mann.
Dummerweise hat mir Daniella gesagt, wo es die Spinnräder zu Kaufen gibt, die sie verteilen. Und falls ich die richtige Webseite gefunden habe, gibt es auch tolle Webrahmen. Seit ich vor ein paar Jahren Prehistoric Textiles von Elizabeth Wayland Barber gelesen habe, habe ich Lust, mich im Weben zu versuchen. Heute besuchen wir das chice Geschäft im trendigen Ausgehviertel Barranco, in dem Ecotintes seine Produkte ausstellt.