Freitag, 9. März 2012

Ecotintes - Färben mit Pflanzenstoffen

Letztes Jahr schon habe ich im Wollgeschäft in Miraflores einen Strang zartrosa Baumwolle gekauft - ein echter Exot in diesem Land von grellem Acryl und buntem Alpaka; obwohl Peru Pima-Baumwolle anbaut, spielt Alpaca die erste Geige.
Der Strang kam von der kleinen Firma Ecotintes, ca 80 km nördlich von Lima an der Panamericana. Am Dienstag haben wir es endlich geschafft, ein Auto zu mieten und mit Freunden Ecotintes und Caral, eine Ausgrabungsstätte der ältesten Kultur Amerikas zu besuchen. Von Ecotintes war ich völlig begeistern:
Sie recherchieren und forschen über pflanzliche Färbemethoden und den Anbau von Färbepflanzen, haben eine professionelle Ausstattung mit kleinem Labor und  arbeiten mit modernen Methoden, bauen Färbepflanzen und Baumwolle an mit ökologischen Methoden, bauen Spinnräder und geben sie an die Bewohner eines nahegelegenen Dorfes, wo Schafwolle und Alpaca für Ecotintes damit versponnen werden. Daniella Calmet, die Tochter des Inhabers Ricardo, hat uns alles gezeigt:
Färbebecken mit Indigo, die Stränge werden von einer passenden Aufhängung in die Lösung getaucht. Die Pflanzenreste, mit denen die Farbe angesetzt worden war, werden kompostiert.
 
Umgebaute Haushaltswaschmaschinen zum Spülen der Stränge; das Abwasser wird zum Gießen benutzt, denn giftig sind weder Beize noch Färbemittel

Färbepflanzenanbau im Garten

Peruanischer Nackthund, Schmusetier und Nachtwächter

Cochenille - Rohstoff aus Kermesläusen für die Farbe Karminrot

Arbeitsraum und Lager; alle Wände des Hauses sind in unterschiedlichen Farben bunt gestrichen

Wolle und Baumwolle. Motten und anderes Ungeziefer gehen übrigens nur an ungefärbte Wolle

Stränge zwischen Färben und Aufwickeln

Selbstgebauter E-Spinner im Arbeitsraum

Anzucht von Färbepflanzen




Färbepflanzen vor dem Haus; ich glaube Ratanhia, dessen Wurzeln Rot färben

Natürlich habe ich Wolle für Jacken für meinen Mann und mich bestellt, Alpaca in Blau und Grün. Der Freundin, die nicht mitkonnte, habe ich zwei Knäuel Schafwolle in ihrer Lieblingsfarbe Fuchsia mitgebracht. Sie möchte noch mehr, um sich einen Pulli für den kommenden Winter zu stricken. Und die Freundin, die dabei war, bedauert es, dass sie nichts gekauft hat. Wundert mich nicht, das Material ist bestechend schön!

Danach sind wir noch weiter nach Norden, nach Caral, den Resten einer fast 5000 Jahre alten, stadtähnlichen Siedlung. Immer wieder erstaunlich, was man im völlig abgelegenen Gegenden Perus noch für archäologische Schätze entdeckt. Caral wurde erst Mitte der 1990er-Jahre entdeckt und ist inzwischen von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden.

Donnerstag, 8. März 2012

Das Nähfragezeichen Nr. 31 fragt nach Schnittänderungen



Meikes Nähfragezeichen fragte am Dienstag, wie wir uns Schnittänderungen notieren
Wie notiert ihr euch wichtige Informationen/Lernerfahrungen/Anpassungen nach dem Zuschnitt und dem Nähen, wenn ihr eure Schnitte archiviert. Auf den Schnittteilen, auf einem Extrablatt, in eurem Näh-Notizbuch, im Blog? 
Ein Näh-Notizbuch führe ich noch nicht, habe mir aber dieses edle Mode-Notizbuch nach Deutschland bestellt und hoffe, damit die Arte Frau zu werden, die im Café lässig ihr Büchlein zückt und eine gekonnte Zeichung einer coolen Idee anfertigt. Bisher habe ich Ideen in meinem Filofax notiert. Sehr entlarvend, wenn ich Jahre später auf Listen zu nähender Kleidungsstücke stosse, von denen wenig umgesetzt worden ist...
 


 Beim Nähen selbst sieht es so aus: Auch ich zerschneide keinen Originalschnitt mehr sondern kopiere auf extra-starke Folie aus dem Baumarkt. Änderungen notiere ich darauf. Dann kommt das Ganze in eine Sichthülle, die in einen Stehsammler gesteckt wird.
Bei selbst erstellten Schnitten schreibe ich Datum, Maße und Gewicht auf den Schnitt und male eine kleine Skizze auf einem Zettel mit den wichtigsten Angaben. Naja, den allerwichtigsten Angaben: Beim vorletzten Rock ist mein Minimalismus böse auf mich zurückgefallen: Hätte ich mir doch notiert, dass ich den Schnitt für den Standard-A-Rock mit Nahtzugaben gezeichnet habe!!


Und weil ich ja lernfähig bin, habe ich die fehlenden Angaben nach dem Fotografieren (ich will hier weder Maße noch Gewicht publizieren) ergänzt.

Mittwoch, 7. März 2012

Me-made-Mittwoch - zur Abwechslung ein Blümchenrock :-)


Dies ist der zuletzt fertig gestellte Blümchenrock nach Standardschnitt. Der NahtRV klappte diesmal hervorragend - ich hatte das Füßchen dafür wiedergefunden. Er ist mit leichterm Batist gefüttert und ist zwar wunderbar leicht und luftig, knittert aber auch sofort. Der Stoff ist für wenig Geld (je 22 Soles, ca sechs Euro fünfzig für Stoff und Futter) in Gamarra, dem Textildistrikt von Lima erstanden worden. Leider habe ich kein passendes T-Shirt, aber das werde ich in Deutschland finden. Der Stoff für das nächste Röckchen wird gerade zugeschnitten und es muss bis zum Sonntag fertig sein, denn nächsten Montag kommt die Umzugsfirma zum Packen. Dieser Rock ist im geraden Fadenlauf zugeschnitten, weil ich dachte, der Stoff ist weich genug, um gut zu fallen. Der nächste wird im schrägen Fadenlauf gearbeitet und ich bin gespannt, ob frau den Unterschied sieht.
Zurück in Deutschland will ich mich neuen Herausforderungen stellen: Ich habe ein Kleid gesehen, dass nach "Passt!", dem Buch zur Golden Pattern-Software genäht wurde und es hat mir gut gefallen, denn es saß sehr gut und sah klasse aus. So eins will ich auch! Die Software habe ich schon ewig und habe damit ein-zwei gut passende Röcke genäht.
Alle Me-made-Mittwoch-Teilnehmer sammelt Cat auf ihrer Seite - danke für diese tolle Aktion!

Die verstrickte Dienstagsfrage 10/2012: Toe-up-Socken

Das Wollschaf fragt, wie frau die Löchlein in Toe-up-Socken vermeidet. Ich bin zwar inzwischen ein großer Fan von Toe-up-Socken, weil ich es wie Poppy sehr elegant finde, bis zum Schluss des Knäuels oder der Knäuele stricken zu können, aber meine ersten Socken in dieser Technik hatten auch Löcher.
Nun mache ich Wickelmaschen nach einer Technik aus Stephanie von der Linden: Der geniale Socken-Workshop. Die zu umwickelnde Masche wird nur abgehoben, nicht abgestrickt und beim Wenden der Faden um diese gelegt. Dies zweimal; einmal in der ersten Hälfte der Ferse, nochmal in der zweiten Hälfte. Wenn ich dann schliesslich über diese Stelle stricke, fasse ich beide Fäden zusammen und stricke sie mit der umwickelten Masche ab. Ich stricke zwar nur ganz einfache Socken, aber ich bin sehr stolz, wie professionell sie mit dieser Technik aussehen.

Gerade will ich diese Technik meiner peruanischen Freundin erklären, die nach Jahren wieder mit Stricken angefangen hat (mein Einfluss), aber ich kann es nicht so erklären, dass sie es versteht, denn mein Spanisch reicht nicht aus und ihr Deutsch reicht auch nicht aus. Auf Spanisch heisst die Technik wohl so ähnlich wie "lazara", das heisst ungefähr: mit dem Lasso einfangen. Schöne Übersetzung, oder? Jetzt suchen wir noch jemanden in Lima, der es kann und ihr erklärt.

Montag, 5. März 2012

Nähen lassen, 1. Teil

Bevor wir zum Schnuppern nach Lima kamen, hatte ich schon in Blogs gelesen, dass frau sich hier günstig und gut Kleidung nach Maß schneidern lassen kann.
Mein erster Versuch war jedoch ein völliger Reinfall, ich war einfach bei einem klassischen Herrenschneider zur Tür reinspaziert, ein sehr, sehr alter Herr, der mir einen Jeansrock in A-Form nähen sollte. Bei der ersten Anprobe war er viel zu weit und am Schluss immer noch schrecklich. Mit Bleiche habe ich noch versucht, ihn auf modern zu trimmen, aber für diese Katastrophe war alles zu spät. Aus dem Rock ist dies geworden:

Der linke Buchumschlag; noch mit Bleichspuren

Als ich dann hier wohnte, bin ich nur noch zu Schneiderinnen, die mir empfohlen worden waren: Sra Lucy hat mir eine Tunika nach Schnittquelle Belfort genäht und ein Kostüm nach Burdastyle.

Ist an mir auch zu eng. Aber besser gebügelt.



Die Clinica de Modas hatte einen Großauftrag: Ein Kleid nach Patrones, ein Shirt nach einem Bild von Hobbyschneiderin, zwei Tankinis, einen Rock nach Burda ??? (finde den Schnitt weder im Haus noch online).
Üblicherweise bringt frau der SchneiderIn ein Bild oder ein Foto des Modelles oder ein zu kopierendes Original oder macht eine kleine Skizze. Dass jemand einen Schnitt mitbringt, ist völlig unüblich, denn hier gibt es keine Schnitte zu kaufen. Die SchneiderIn fertigt aus alten Zeitungen den Schnitt selbst an. Von Sra Lucy und den Schneiderinnen der Clinica de Modas wurden meine mitgebrachten Schnitte verschmäht. "Ich verlasse mich nur auf mein Maßband", bekam ich auf meine Frage warum zu hören. Ich musste gut aufpassen, dass sie sich an das Modell hielten. Beim grünen Kleid hat es nicht geklappt:
Leider längst nicht so chic geworden wie die Vorlage. Vermutlich war auch der Stoff ein Fehlgriff.
Der Kragen ist hinten leider nicht perfekt
Burda ??? von Clinica de Modas genäht; nicht nach Schnittmuster

Von mir nach Schnittmuster genäht, auch verbesserungsfähig

Wenn frau Stoff hat, bringt sie ihn mit, sonst besorgt ihn die Schneiderin. Auch hier gilt, dass es sich empfiehlt, möglichst genaue Vorgaben zu machen.
Alle haben einen Hang dazu, etwas zu eng abzustecken. Auch meine beiden peruanischen Freundinnen waren trotz ihrer Erfahrung und der gleichen Sprache nicht vor Enttäuschungen gefeit: Mehrmals waren Sachen zu eng (trotz Zwischenanproben) oder Röcke von Kleidern wiederum zu weit. Beide haben mehrmals geschworen, zu dieser oder jener Schneiderin nie mehr zu gehen. Katia hat sich für die Hochzeit ihres Stiefsohns drei Kleider anfertigen lassen und war nur mit dem Dritten völlig zufrieden. Obwohl sie eine perfekte, ganz schlanke Figur hat.

Freitag, 2. März 2012

Fortschritt bei Paula, der Puppe

Heute habe ich Paula noch einmal neu ausstaffiert (Hier mein erster Versuch.). Mein Ziel war, die Brüste gleichmäßiger zu bekommen und die Taille etwas dicker zu machen. Eigentlich hatte ich vor, ihr für die Taille dicke Vlieseline um den Leib wickeln, habe aber erstmal nur je ein weiteres kleines  Kissen oberhalb der seitlichen Hüfte eingeklemmt und bin mit dem Ergebnis ganz zufrieden:
Ich sehe, dass ich den zweiten Bezug noch ein wenig zurecht zupfen muss

Zu Paulas "Füßen" stehen Körbchen mit je einem Handarbeitsprojekt. Die brauche  ich bei längeren Autofahrten, denn nur strickend oder häkelnd ist der Verkehr mit den häufigen Gefahrensituationen zu ertragen


Klar wäre ich lieber eine schlanke Elfe, wenn ich mir das so angucke. Aber so sehe ich gerade aus, ob mir das passt oder nicht.
Übrigens sollte heute ein Immobilienmakler kommen mit potentiellen Nachmietern für unser Haus und ich habe mich gedrängt gefühlt, Paula einen züchtigen Kaftan anzuziehen. Irgendwie möchte ich doch nicht, dass praktisch eine nackte Petra im Zimmer rumsteht.
Morgen ist unsere Abschiedsparty -die Paula im Kaftan verbringen wird- und dann haben wir nur noch eine gute Woche, bevor die Umzugsfirma unsere Sachen packt; hoffentlich schaffe ich es in der Zeit noch, einen einfachen A-Linie-Rock zu nähen.
Und wenn ich wieder in der Heimat bin, werde ich versuchen, an dieser Puppe nach der Anleitung von Threads eine Rock-Grundform mit Abnähern und allem Drum und Dran zu drapieren. 

Heute und gestern habe ich wieder einige Meter gesponnen: Inzwischen sind die mit Conditioner behandelten Fasern versponnen und ich bin bei den nicht haargespülten Fasern. Es ist doch ein ziemliches Gezerre mit der rechten Hand und ich muss mir überlegen, ob ich die restlichen Fasern, eigentlich die zweite Hälfte des Bestandes, nicht auch noch nachbehandle. Leider gibt es hier jedoch nur entweder Haarspülung mit Silikonen oder Naturkosmetik-Haarspülung mit einem durchdringenden Kräutergeruch, die ich eigentlich nicht nochmal kaufen wollte. Naja, mal gucken, wenn ich das nächste Mal im Bioladen bin.
Völlig hingerissen bin ich von der Farbe. Eigentlich nicht von der Farbe an sich, die ist mir fast zu orange und ich bin ein "Sommer", der sich nichts aus den typischen Herbstfarben macht. Aber dass sich aus diesem wilden Gemisch so etwas Interessantes und Schönes ergibt, hätte ich nicht gedacht und es verschafft mir einen Aha-Effekt gleich am Anfang meiner Spinnerkarriere. Und es macht so viel Spass zu sehen, welche Zusatzfarbe im Grundton auftaucht, wieder verschwindet und wie das Ergebnis auf der Spule schliesslich aussieht: Abwechslungsreich und doch stets harmonisch.

Donnerstag, 1. März 2012

Das Nähfragezeichen Nr. 30 fragt nach Nähmaschinenwartung


Meikes Nähfragezeichen fragte am Dienstag nach Nähmaschinen: Wartung und Pflege
Wie oft tauscht Ihr die Nadeln Eurer Nähmaschine aus und wie oft reinigt Ihr sie? Ich habe seit ein paar Monaten eine neue Nähmaschine und habe das Gefühl, dass sie nicht so gut läuft, wenn die Nadeln zu lange im Gebrauch sind. Bei meiner 25 Jahre alten Singer war das kein Problem. Da habe ich die Nadel nur gewechselt, wenn sie abgebrochen war. Meine Neue "will" auch ständig sauber gemacht werden, da sonst der Unterfaden Schlaufen bildet oder der Stoff "gefressen" wird. Gibt es tatsächlich Primadonnen und Genügsame unter den Nähmaschinen?
Ich könnte mir schon vorstellen, dass die alten Maschinen robuster waren und Fusseln und nächlässige Behandlung klaglos ertrugen. Aber ich pflege alle meine Maschinen regelmässig.
Meine zehn Jahre alte, elektronische Brother ACE III bringe ich ca alle 2 Jahre zur Wartung, denn sie war so teuer, dass ich ihre Lebenszeit durch regelmäßige Wartung möglichst verlängern möchte.
Aber auch meine 28 Jahre alte Privileg und meine uralte Featherweight halte ich so in Schuss, dass ich sie sofort benutzen könnte. Hmm, ich habe halt nicht gerne unnützes Zeug rumstehen, glaube ich.
(Hier übrigens müssen Nähmaschinen und eigentlich jede Elektrik und Elektronik gegen den Staub, der vom Wind aus den wüsten Bergen hergeweht wird, gut geschützt werden. Meine Brother steht zwar vor dem offenen Fenster, ist aber liebevoll in ein Badehandtuch gewickelt. Und die elektronische Waschmaschine im zum Himmel offenen Waschraum hat einen von einer spezialisierten Schneiderin maßgeschneiderten Überzug bekommen.)
Das Einsetzen einer neuen, zum Stoff passenden Nadel (z.B. Jersey, Jeans, extra-fein) gehört bei mir seit ein paar Jahren zum guten Nähen dazu und hat für mich nichts mit Maschinenpflege zu tun.