Sonntag, 17. Juni 2012

Endlich Spinnkurs gehabt

Gestern hatte ich endlich, endlich den lang ersehnten Spinnkurs! Ich habe ja schon über ein Jahr ein Spinnrad, aber in Peru spinnt nur die arme, andine Bevölkerung, in Lima ist Spinnen als Hobby nicht bekannt. Ich hatte schon ein unglaubliches Glück, dass meine peruanischen Nachbarinnen und Freundinnen Ruth und Katia nähen und stricken und wir so gemeinsame Hobbies haben.
Der Kurs bei Roswitha von der Schwarzwälder Spinnstube war der erste, der nach meiner Rückkehr in akzeptabler Entfernung angeboten wurde und ich hatte mich sofort angemeldet. Und weil ich vor zwei Wochen schon den Färben mit Pflanzenfarben-Kurs besucht hatte, wusste ich bereits, was mich erwartet: Eine kompetente, gelassene Lehrerin in einem gemütlichen Ambiente. Und tatsächlich war es großartig.
Wir waren eine kleine Gruppe von vier Frauen plus Roswitha, unterstützt von ihrem handwerklich begabten Mann Gerd, der uns mal eben bei technischen Problemen mit den Spinnrädern half, da eine Spule löste oder dort eine Feder wieder befestigte.

Allerdings hat uns Roswitha vor dem Spinnen den Umgang mit Wolle vom Schaf bis zum Faden gezeigt. Sie erklärte uns, wie man ein brauchbares Vlies erkennt, wie man es wäscht und die Fasern mit Handkardätschen oder einem Walzenkardierer zum Spinnen bereit macht. Dann brachte sie uns bei, wie man mit Handspindeln spinnt und erzählte dabei die Stufen der Automatisierung des Spinnens vom Arbeiten nur mit den Händen, mit einem Stöckchen, der Handspindel und den verschiedenen Vorstufen des modernen Flügelspinnrades.
Nebenbei hat sie auch erklärt, warum spinnen diese Doppelbedeutung hat: Früher mussten Patienten in Psychiatrischen Krankenhäusern spinnen.
Eine Teilnehmerin hatte ein von ihrer Mutter geerbtes Rad mitgebracht und es war total nett, wie sie still und begeistert vor sich hinspann, sobald sie den Dreh raus hatte. Eine andere Teilnehmerin, die Inhaberin eines Friseursalons, entdeckte das Spinnen als Entspannung nach einem anstrengenden Tag im Salon und kaufte sich direkt nach dem Kurs ein eigenes Rad, das Gerd ihr gleich spinnbereit zusammenbaute.
Ich habe viel gelernt und mich so wohl gefühlt, dass ich ganz traurig bin, dass ich das nächste Mal erst im Januar, zum Art yarn-Kurs, nach Önsbach fahren werde. Es gibt über die kalte Jahreszeit zwar auch Spinntreffen, aber für wenige Stunden ist mir der Weg dann doch zu weit.

Brauchbares Vlies ...

... wird erstmal kalt gewaschen

So schmutzig! Das Abwasser ist gut zum Pflanzen gießen

Ein Spinnkasten. Durch das schwere Schwungrad dreht sich die Spule sehr lange

Handkardätschen

Handkardierte Fasern, über dem Stock zu einem spinnbereiten Röllchen geformt

Mörderisches Gerät, das Locken als Vorbereitung auf das Kardieren verzupft

Kurbelbetriebener Walzenkardierer

Professioneller, elektrischer Walzenkardierer


Die Fasen werden geordnet und komprimiert


Roswitha testet das geerbte Spinnrad

Drei der fünf Räder, die wir in Betrieb hatten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen